[04. bis 05.Oktober 2024] Die Fahrt von Nusfjord nach Reine war alles andere als gewöhnlich. Während wir uns auf eine spektakuläre Kulisse und vielleicht eine kleine Wanderung gefreut hatten, hielt das Wetter für uns einige Überraschungen bereit. In den Lofoten ist das Wetter ohnehin berüchtigt für seine Launen, aber dieser Tag setzte dem noch eins drauf.
Wir machten uns Frühstück auf, fuhren zunächst an Reine vorbei und hatten den kleinen Ort Å im Sinn – ein malerisches Fischerdorf, das am Ende der Europastraße E10 liegt. Laut Wettervorhersage sollte es nach viel Regen ab mittags trocken und sogar mit Sonnenschein weiter gehen. Unsere Pläne, eine Wanderung in der Nähe zu unternehmen, waren jedoch schneller hinfällig, als wir gedacht hatten. Kaum hatten wir den Ausgangspunkt erreicht, zog ein plötzliches Hagelgewitter auf. Dicke Hagelkörner prasselten auf uns nieder, und wir mussten Schutz unter einem Felsen suchen, um nicht völlig durchnässt zu werden. Der Wind peitschte, und es war klar: Eine Wanderung war bei diesen Bedingungen undenkbar.
Wir beschlossen, den wilden Naturkräften zu trotzen und stattdessen einen kleinen Spaziergang durch das Dorf Å zu machen. Ganz nach dem Motto – es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung. Das urige Fischerdorf, das zu den ältesten und geschichtsträchtigsten der Lofoten zählt, faszinierte uns trotz des schlechten Wetters. Die alten, rot gestrichenen Rorbuer, in denen einst die Fischer übernachteten, verleihen dem Ort eine besondere Atmosphäre. Während wir durch die Gassen schlenderten, schien es, als ob die Zeit hier stehengeblieben war. Die Natur und das Meer, gab uns ein Gefühl der rauen Natur Nowegens. Ein Kaffee und eine Zimtschnecke in einem Café war zum aufwärmen dafür umso verlockender.
Nachdem wir genug vom Hagel hatten, machten wir uns auf den Rückweg nach Reine, wo wir den restlichen Nachmittag in einer der gemütlichen Fischerhütten verbrachten. Der Wind peitschte zwar immer noch und jeder dritte Schauer war mehr Hagel als Regen, aber in einer gemütlichen Fuscherhütte ist es so wunderbar entschleunigend: Kerzenschein, der warme Duft von frischem Tee und ein gutes Buch machen uns an solch verregneten Tagen glücklich.
Der Wechsel zwischen Sturm draußen und Gemütlichkeit drinnen machte den Tag dann doch zu einem kleinen Abenteuer.
Zu unserer Überraschung wurde die Nacht wolkenfrei und klar. Wir blickten daher regelmäßiger aus dem Fenster, um vielleicht doch noch Nordlichter sehen zu können, denn die Prognosen sahen gut aus. Was soll ich sagen, den Haken auf der Bucket-List können wir hinter „Nordlichter gesehen“ machen. Direkt über unserer Fischerhütte konnten wir das leuchtend grüne Naturwunder bestaunen.
Heute, am 5. Oktober, ging es für uns bei bestem Wetter (hätte keiner nach gestern erwartet) auf die Spitze des Reinebringen. Die Tour startet direkt in dem kleinen Dörfchen, ca. 5 Minuten mit dem Auto von unserer Unterkunft entfernt. Da es an der Landstraße keine Parkmöglichkeit gibt, muss man einen der drei Parkplätze in Reinebringen selbst wählen. Der erste Parkplatz im Dorf ist von einer Kunstgalerie geführt und mit Abstand der teuerste. Ca. 500 Meter weiter in das Innere des Dorfes findet man jedoch einen kostenpflichtigen Parkplatz, der aber nach Zeit abgerechnet wird. Wir haben hier für die 3 Stunden der Wanderung ca 12€ bezahlt.
Der steile Aufstieg zum Gipfel des Reinebringen selbst wurde vor ein paar Jahren von nepalesischen Sherpas zu einer steinernen Treppe ausgebaut. Immer noch brutal steil führen 1978 Stufen auf den Berg herauf. Trotz guter Kondition wird hier jeder zu der ein oder anderen Pause gezwungen.
Nach überwundenem Hindernis wird jeder aber mit einem atemberaubenden Blick auf die angrenzenden Fjorde belohnt. Von hier aus hat man auch einen wundervollen Ausblick auf das kleine Dörfchen Hamnoy, dass sicherlich jeder Lofoten Reisende auf der ein oder anderen Postkarte gesehen hat.
Neben der sicherlich überragenden Aussicht, waren wir allerdings froh, dass wir Ende September / Anfang Oktober in die Lofoten gefahren sind. Auch wenn wir schon deutlich am Ende der Sommersaison waren, zieht es dank der steinernden Stufen Massen an Touristen auf den Berg hinauf. Selbstverständlich findet man hier wieder die typischen „Ich steige mit Sandalen auf einen Berg“ oder „Hauptsache 4 Kameras und eine Drohne dabei“ Wanderer. Ruhe und Gelassenheit sind hierbei angesagt, was zumindest bei David nicht immer in Gänze klappt 😉
Der Abstieg ist körperlich deutlich angenehmer und kann in einem Drittel der Gesamtzeit absolviert werden.
Der auf Komoot die etwas längere Route (ca. 11 km) über den Gipfel hinaus sieht, sollte sich bewusst sein, dass hier definitiv alpine Erfahrung und Schwindelfreiheit abverlangt werden. Für uns war dies an diesem Tag, auch wegen des bevorstehenden Regenschauers, keine Option.
Den Nachmittag verbrauchten wir gemütlich mit Buch und heißem Tee in unserer gemütlichen kleinen Rorbuer, einem alten Fischerhäuschen.
















